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Blockchain in der Logistik

Interview mit Alexander Schaefer, CIO bei EDITEL Austria GmbH

Die Prozesse in der Logistik verändern sich rasant und die Blockchain ist dabei in aller Munde. Nur ein Hype oder der Beginn einer Revolution? Diese und andere Fragen beantwortet Alexander Schaefer, CIO bei EDITEL Austria GmbH, im folgenden Interview:

EDITEL hat sich auf einen spezifischen Teil der Digitalisierung fokussiert: dem Austausch digitaler Daten. Welche Lösungen bieten Sie hier für die Logistik an und welche Vorteile bringen diese den Kunden?
EDITEL hat sich grundsätzlich auf die Optimierung der Supply Chain spezialisiert. Wir bieten Lösungen für die gesamte Lieferkette – von der Bestellung bis zur Zahlung. Dabei ist die Logistik natürlich ein wesentlicher Teil. Der entscheidende Mehrwert entsteht nur, wenn die Prozesse durchgängig digital abgewickelt werden können. Dabei geht es nicht immer nur um Kosten- und Zeitoptimierung, sondern auch um ökologisch optimierte Prozesse. Letztlich profitiert der Konsument von effektiven, schnellen und günstigen Transportwegen.

Wie viele Logistik-Kunden konnten Sie gewinnen (und welche zum Beispiel)?
Als führender Provider für den Elektronischen Datenaustausch (EDI), arbeiten wir schon lange mit nahezu allen Logistikunternehmen zusammen. Überall dort wo effektive, schlanke und somit digitale Prozesse notwendig sind, bringen wir mit unserer eXite® Plattform den entscheidenden Mehrwert für die gesamte Lieferkette. Auf eXite® werden die Auftraggeber, Kunden, Logistiker, Banken digital verbunden und profitieren von verlässlichen und schnellen Transaktionen.

Welche Relevanz hat das Thema Blockchain aus Ihrer Sicht in der EDI-Dienstleistung?
Mit dem Thema Blockchain beschäf­tigen wir uns schon sehr lange. In der Hype-Phase wurde die Blockchain als Lösung für fast alles gehandelt und speziell die Logistikbranche als Herz­stück der Supply Chain hätte durch die Blockchain revolutioniert werden sollen. Diese Hype-Phase ist nun vor­bei und jetzt muss die Blockchain-Technologie zeigen, was sie wirklich kann. Als führender EDI-Dienstleis­ter mit langjähriger Erfahrung wissen wir allerdings, wie wichtig vor dem Praxiseinsatz umfangreiche Analysen und Tests sind. Denn unsere Kunden sind es gewohnt, dass unsere Techno­logie zuverlässig ist und zu 100 % funktioniert. Derzeit sehen wir im klassischen EDI-Umfeld keinen un­mittelbaren Mehrwert der Blockchain-Technologie. Bei komplementären Services ist das grundsätzlich schon denkbar.

EDITEL ist Teil der „Blockchain Initiative Logistik“. Welche Ziele verfolgt die Initiative?
Die Blockchain Initiative Logistik wurde von einer Gruppe von Organisationen ergriffen, die beweisen wollen, dass man mit der Blockchain Frachtdokumente digitalisieren kann. Darunter sind LKW Walter, DB Schenker, EY, BVL, GS1 und EDITEL. Zusätzlich erfolgt die wissenschaftliche Begleitung durch die WU. Es ist also in erster Linie ein Digitalisierungsprojekt, das als Basistechnologie die Blockchain verwendet. Heute werden immer noch alle Transporte mit Frachtdokumenten aus Papier um die Welt gesendet. Dabei kommt es zu den klassischen Problemen von Papierdokumenten wie zum Beispiel Lesbarkeit, Verlust, Verfälschung und lange Aufbewahrung. Hinzu kommt das umständliche Handling und der Zeitverlust durch lange Wege, die Papierdokumente naturgemäß verursachen.

Aktuell versucht die Blockchain Initiative Logistik Lkw-Frachtdokumente mit Hilfe der Blockchain zu digitalisieren. Wie verläuft das Pilotprojekt?
Wir haben von Anfang an geplant, dass wir in der ersten Phase rasch einen funktionsfähigen Prototyp entwickeln. Dieses Ziel haben wir nun in erstaunlich kurzer Zeit erreicht. Das war vor allem deswegen möglich, weil wir von Beginn an eine Start-up-Mentalität im Team gelebt haben. Die ersten Pilot-Transporte sind kürzlich erfolgreich durchgeführt worden. Erfreulicherweise war auch das Feedback der Fahrer durchaus positiv, die auch ihre Probleme mit der Zettelwirtschaft haben.

Welche Vorteile sollen diese digitalen Frachtbriefe gegenüber den gedruckten bringen?
Der digitale Frachtbrief (e-CMR) bringt eigentlich allen Beteiligten Vorteile. Der Auftraggeber kann jederzeit den Transportstatus einsehen, ebenso wie der Empfänger der Ware. Dies bringt Vorteile in der Planung und schnellere Reaktionen bei Abweichungen bzw. Fehlern. Am meisten profitieren natürlich die Logistikunternehmen selbst. Neben der ebenfalls aktuellen Information verkürzt sich der gesamte Prozesszyklus deutlich. Bisher konnte ein Transport erst abgerechnet werden, wenn die Papiere beim Logistikdienstleister eingetroffen sind. Jetzt liegt das elektronische rechtsgültige Dokument vor, sobald der Empfänger die Ware übernommen hat. Zeit ist Geld!

Wie sicher ist die Technologie? Immerhin steigen die Cyber-Angriffe weltweit.
Sicherheit und Nachvollziehbarkeit haben für uns immer Priorität. Unsere Kunden sind höchste Standards von unserer Datendrehscheibe eXite® gewohnt. Wenn wir über die Blockchain-Technologie sprechen, müssen wir aber auch über die Nachhaltigkeit sprechen. Und hier haben wir in diesem Projekt einen Ansatz gewählt, der auf energiehungriges Mining, wie etwa bei Bitcoin, komplett verzichtet und somit keinen höheren Energiebedarf auslöst. Die Blockchain setzt auf aktuelle Verschlüsselungsmethoden und gilt als absolut vertrauenswürdig und sicher, natürlich hängt die gesamte Sicherheit an vielen Komponenten und muss immer am aktuellen Stand gehalten werden. In jedem Fall kann gesagt werden, dass der digitale Frachtbrief um ein Vielfaches sicherer ist, als der Frachtbrief auf Papier.

2019 hat die Initiative den Futurezone-Award für das Blockchain-Projekt des Jahres gewonnen. Wie hat sich das ausgewirkt? Habt Ihr mehr Anfragen, Kunden, Mitglieder etc. bekommen?
Der Futurezone-Award war natürlich eine besondere Auszeichnung und hat die Bedeutung des Projektes nochmals unterstrichen. Ja, wir haben zusätzliche Anfragen und Interessenten für das Projekt bekommen, vor allem die internationale Aufmerksamkeit hat uns viele neue Kontakte und Kooperationsmöglichkeiten eröffnet. Digitale Frachtdokumente müssen ja international funktionieren und dabei ist eine internationale Koordination (Behörden etc.) notwendig.

Welche Projekte will die Blockchain Initiative Logistik noch angehen?
In der zweiten Phase, die in Kürze startet, werden wir den Übergang von Pilotbetrieb zu Regelbetrieb vornehmen. Auch die Integration der Lösung in die bestehenden Anwendungen und Prozesse der Logistikunternehmen und der Sender bzw. Empfänger wird vorangetrieben. Wir sind auch dabei, weitere Partner ins Boot zu holen und so für eine breitere Aufstellung der Lösung zu sorgen. Die Aufmerksamkeit in der Branche ist sehr groß und wir sprechen aktuell mit zahlreichen nationalen und internationalen Interessenten. Es bleibt also spannend.

Alexander Schaefer
CIO bei EDITEL Austria

Alexander Schaefer, Copyright: Petra Spiola
iStockphoto copyright matejmo

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